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  HERBERT ROS Kennt die Bibel ein Lohndenken?  




  
 
Kennt die Bibel ein Lohndenken?


Fairneß ade?

Von Abraham bis zu den letzten Seiten der Offenbarung des Johannes berichten uns die Schreiber der Schrift von Lohn, Belohnung und Entlohnung. Diese Maßnahme motiviert zur Arbeit, kommt den Bedürfnissen des Lebens nach, ist Ausdruck von Fairneß und ein Zeichen von sozialer Gerechtigkeit.

Wenn Leistung keine angemessene Entlohnung erfährt, entstehen Spannungen, die oft zu Konflikten führen. Der Kontrast zwischen den Armen und Reichen wird dadurch nicht nur größer, sondern nimmt gefährliche Ausmaße an. Jakobus beklagt dieses soziale Ungleichgewicht in den ersten fünf Versen seines 5. Kapitels, und Johannes sieht in Offenbarung 6:6 einen explosiven Mißstand voraus, der in der Endzeit in bedrückender Weise eskaliert. Das sogenannte "Nord-Süd-Gefälle" wirft seine ominösen Schatten über die alte Erde.

Wer arbeitet, soll auch essen!
Arbeitskampf in unserem heutigen Sinne ist der Bibel vom Prinzip her auch nicht ganz fremd, da die Propheten zu gegebener Zeit entsprechendes Fehlverhalten im Alten Testament anprangerten. Auf der anderen Seite finden wir im Neuen Testament - neben den Aussagen des Herrn - besonders die Empfehlungen des Paulus von Interesse. Ein Welt - Wohlfahrtsstaat von vollen Mägen und bester medizinischer Betreuung scheint nicht ganz seinen Vorstellungen zu entsprechen, wenn er unumwunden festlegt "wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen." Auf Rechte pochen und Forderungen stellen findet dabei ebenfalls keinen Raum, hervorgehoben wird jedoch der Grundsatz sehr deutlich, daß jeder Arbeiter seines Lohnes wert ist. Das heißt doch: wer arbeitet, der soll auch essen! Angebrachte Entschädigung wird in aller Schlichtheit als selbstverständlich vorausgesetzt und im Bedarfsfalle für den Bedrängten angemahnt, nur die egozentrische Jagd nach Mammon um des Mammons willen wird in keiner Form gut geheißen. Dafür muß sich der Jünger Jesu auf alle Fälle zu schade sein.

In 1.Timotheus 6:1-2 macht der Apostel darauf aufmerksam, daß weder Arbeitnehmer noch Arbeitgeber sich gegenseitig ausnützen sollen. Die gläubigen Arbeitgeber sollen von ihren arbeitnehmenden Mitbrüdern nicht gering geachtet werden, weil sie Brüder sind. Dabei steht es den gläubigen Arbeitern gut an, wenn sie ihren Aufgaben mit Eifer nachkommen und der Arbeitgeber-Bruder seine Mitarbeiter freundlich behandelt. Gegenseitige Achtung und Wertschätzung sind die Schlüsselbegriffe für ein harmonisches Arbeitsverhältnis, das auch dem Evangelium Ehre macht.

Monopol zur Seligkeit
Wenn Jesus in seinen Gleichnissen von Entlohnung spricht, dann läßt sich beinahe ein Überraschungseffekt bei den Entlohnten feststellen. Sie schienen gar nicht damit gerechnet zu haben. Das ist vorbildliche christliche Arbeitsmoral! Sie suchten also nicht in erster Linie den Lohn, sondern taten ihren Dienst aus Liebe und Respekt zu ihrem Herrn, der sie nun nicht leer ausgehen läßt. Campbell Morgan faßt des Herrn Worte bezüglich der Belohnung seiner Nachfolger so zusammen: "Dienstentschädigung erfolgt nach dem Maß der Treue in der Wahrnehmung angebotener Gelegenheiten." William Barclay meint lapidar, daß der Lohn der Arbeit aus noch mehr Arbeit besteht. Und der Herr sagt dem umtriebigen Knecht: "Du bist über wenig getreu gewesen, ich will dich über viel setzen. Gehe ein zu deines Herrn Freude. Für diesen Lohn lohnt sich jede Mühe!

Es muß nicht erneut gesagt werden, daß sich niemand den Himmel verdienen kann. Werksgerechtigkeit ist out. Gnade und Glaube führen hier nicht nur das Feld an, sondern sie besitzen das Monopol zur Seligkeit (Römer 3:22-24 und 28). Ich arbeite also nicht, um mir den Himmel zu verdienen, sondern weil mir der Himmel in Christus geschenkt wurde, möchte ich dadurch meine unaufhörliche Dankbarkeit in aller Demut bekunden. Mein Lohn ist, daß ich darf! Das entspricht der biblischen Gesinnung. Und Hebräer 11:6 sagt, daß Gott noch ein Übriges tut. Wer ihm vertraut und glaubt, daß es ihn gibt und seinen Willen sucht, den belohnt er, ohne einen Anspruch darauf zu haben.

Krönt Ihn!
Wir möchten gewiß Lohn empfangen für unsere Arbeit, die wir dem Herrn tun. Warum denn? Um an jenem Tage unserem Herrn unsere erworbenen Kronen als Dank für Golgatha zu Füßen zu legen und mit der unzählbaren Schar zu singen "Krönt Ihn, krönt Ihn, zum Herrscher aller Welt."


- HERBERT ROS

auch geschrieben durch Herbert Ros
Stellvertretende Buße

 

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